Studienstart und erste Schritte

Alle wichtigen Schritte im Überblick

Auf dieser Seite sind viele Infos. Deshalb habe ich dir hier einen Zeitplan zusammengestellt, der dir helfen soll, dass du bei der Vorbereitung nichts vergisst und weißt, wann du was tun solltest.

Ich gebe die Zeit immer in x Monaten vor dem Start an, so dass sie dir Orientierung geben kann, egal ob du zum Sommer- oder Wintersemester startest. Machst du Vorkurse oder willst schon früher in der Stadt sein, dann bezieht sich die Zeitangabe auf dieses Datum und nicht auf den eigentlichen Studienstart.

Ich habe die Timeline nach bestem Wissen und Gewissen erstellt und übernehme keine Gewähr – sie soll dir vor allem Orientierung geben.

Zeitstrahl der wichtigsten Schritte

Jeder Schritt nennt den Zeitpunkt und das Thema. Über den Link kommst du direkt zum ausführlichen Abschnitt auf dieser Seite.

  1. Schritt 1 – So früh wie möglich (Bewerbungsfristen)

    Schau dir an, welche Studiengänge dich an den Karlsruher Hochschulen interessieren, und notiere dir die jeweiligen Bewerbungsfristen – die unterscheiden sich je nach Fach und Hochschule.

  2. Schritt 2 – Ca. 12 Monate vor Studienstart (Orientierungsveranstaltung des access∂KIT)

    Lerne das access@KIT, die Mitarbeitenden, Hilfsmittel und den Campus bei der jährlichen Orientierungsveranstaltung kennen.

  3. Schritt 3 – Ca. 6 bis 7 Monate vor Studienstart (Wohnheim bewerben)

    Bewirb dich frühzeitig auf einen Wohnheimplatz und lege den Nachweis des Schwerbehindertenausweises bei.

  4. Schritt 4 – Ca. 6 Monate vor Studienstart (Mobilitätstraining)

    Sprich mit deiner Orientierungs- und Mobilitätstrainerin bzw. deinem Trainer, damit du vor Studienbeginn die wichtigen Wege lernen kannst.

  5. Schritt 5 – Ca. 2 bis 3 Monate vor Studienstart (Materialumsetzung beauftragen und mit Fachschaft & Studienberatung sprechen)

    Vereinbare einen Termin mit dem Materialservice und kontaktiere die Fachschaft sowie die Studienberatung deiner Fakultät, um Studienablauf und Literatur zu besprechen.

  6. Schritt 6 – Ca. 1 Monat vor oder kurz nach Studienbeginn (Nachteilsausgleich)

    Kümmere dich um den Nachteilsausgleich für Prüfungen und Studienleistungen – am besten vor dem ersten Semester oder kurz nach Studienbeginn.

Tipps zum Studienbeginn

Zum Studienbeginn möchte ich dir folgende Tipps noch einmal mit auf den Weg geben:

  1. Für deine Studienwahl gilt aus meiner Sicht: Es ist nicht die Frage, ob es mit einer Seheinschränkung möglich ist, sondern wie es mit einer Seheinschränkung möglich ist, das Fach zu studieren. Hier kannst du dich mit dem access@KIT und der Studienberatung zusammensetzen. Stelle dir außerdem die Frage, ob es Sinn macht, das Fach zu studieren – also ob du mit dem Studium eine Chance hast, später auch einen Beruf zu finden, in dem du möglichst selbstständig arbeiten kannst.

  2. Wenn du kannst, mache die Vorkurse und die Orientierungswoche mit. Dort lernst du die Freundinnen und Freunde kennen, mit denen du wahrscheinlich dein ganzes Studium verbringst – so war es bei mir und auch bei vielen anderen, die ich kenne.

    Die ersten Wochen können anstrengend werden: neue Stadt, viel Stoff zum Lernen und viele neue Leute kennenzulernen. Aber es sind mit die wichtigsten Wochen des Studiums. Hier lernst du Freundinnen und Freunde für das Studium und mit Glück auch für das Leben kennen.

    Ich bin ehrlich: Die ersten fünf Wochen aus Vorkurs und Orientierungsphase waren nicht immer leicht. Gerade als blinder Mensch musst du tausend neuen Leuten erklären, wie du dies und jenes machst und – blöd gesagt – überhaupt lebensfähig bist. Ich hatte irgendwann die Schnauze voll. Am letzten Tag der Orientierungswoche gab es einen Grillabend, und eigentlich hatte ich gar keine Lust mehr auf Socialising. Ich bin trotzdem hingegangen und habe dort einen super Freund fürs Studium kennengelernt, mit dem ich bis heute befreundet bin. Bitte verliere da nicht die Geduld.

  3. Ruf vor dem Studium einmal bei der Studienberatung und bei der Fachschaft an und frag, welche Bücher sie dir empfehlen, die zu deinem Lernstil passen. Danach klärst du mit dem Materialservice vom access@KIT, ob diese Bücher bereits in barrierefreier Form vorliegen oder noch übertragen werden müssen. Das sind drei kurze Telefonate, die dir im Studium sehr helfen werden. Büchertipps von Professorinnen und Professoren solltest du mit Vorsicht annehmen.

  4. Wähle gerade als blinde oder sehbehinderte Person ein Wohnheim, das eine gute Bahnanbindung hat und im besten Fall von mehreren Linien angefahren wird. In Karlsruhe wird das Straßenbahnnetz gut gewartet – das bedeutet aber leider auch, dass es oft Baustellen mit Schienenersatzverkehr gibt. Je mehr Bahnen bei dir fahren, desto unabhängiger bist du davon.

    Wenn du dich während deines Studiums entscheidest, in eine WG zu ziehen, versuche es vor allem über Bekannte. Über WG-Gesucht kann es auch klappen, aber dafür solltest du eine hohe Frustrationstoleranz mitbringen – das kann sich ziehen.

Kontaktaufnahme mit dem Materialservice zu Studienbeginn

Wenn du dich für ein Studium in Karlsruhe entschieden hast und eingeschrieben bist, kannst du mit den Mitarbeitenden des Materialservice einen Termin ausmachen. Schreibe hierfür eine E-Mail an

Dann besprecht ihr entweder online oder in Präsenz, in welcher Form du die Materialien gerne übertragen hättest. Ihr schaut euch gemeinsam deine bisherigen Arbeitstechniken an und ermittelt, wie eine bestmögliche Unterstützung aussehen kann.

Ich empfehle dir außerdem, mit der Studienberatung deiner Fakultät einen Termin auszumachen und zu besprechen, wie dein Studienablauf aussehen könnte. Außerdem würde ich bei der Fachschaft deiner Fakultät anrufen und mit ihnen besprechen, welche Bücher sie dir für das erste Semester empfehlen. Es gibt oftmals Bücher, die mehr theoretisch und formellastig sind, und welche, die einen eher erklärenden Stil haben. Die Leute aus der Fachschaft wissen, welche Bücher es gibt, und können dir bestimmt eines empfehlen, das zu dir passt.

Wenn du dich für ein Studium in Karlsruhe entschieden hast und eingeschrieben bist, kannst du mit den Mitarbeitenden des Materialservice einen Termin ausmachen. Schreibe hierfür eine E-Mail an info∂access.kit.edu

Dann besprecht ihr entweder online oder in Präsenz, in welcher Form du die Materialien gerne übertragen hättest. Ihr schaut euch gemeinsam deine bisherigen Arbeitstechniken an und ermittelt, wie eine bestmögliche Unterstützung aussehen kann.

Ich empfehle dir außerdem, mit der Studienberatung deiner Fakultät einen Termin auszumachen und zu besprechen, wie dein Studienablauf aussehen könnte. Außerdem würde ich bei der Fachschaft deiner Fakultät anrufen und mit ihnen besprechen, welche Bücher sie dir für das erste Semester empfehlen. Es gibt oftmals Bücher, die mehr theoretisch und formellastig sind, und welche, die einen eher erklärenden Stil haben. Die Leute aus der Fachschaft wissen, welche Bücher es gibt, und können dir bestimmt eines empfehlen, das zu dir passt.

Nachteilsausgleich

Einen Nachteilsausgleich zu beantragen ist nicht so aufwendig, wie du vielleicht befürchtest. Am KIT gibt es eine Schwerbehindertenbeauftragte, die sich um die Belange der Studierenden mit Beeinträchtigung kümmert. Bei einem Treffen besprecht ihr, was für einen Nachteilsausgleich du benötigst, und füllt zusammen das Dokument aus.

Hierbei gibt es mehrere Nachteilsausgleiche: Schreibverlängerung von Klausuren, Möglichkeit der Umwandlung von schriftlichen Klausuren in mündliche Prüfungen bei Absprache mit den Dozierenden etc.

Die Kontaktdaten findest du auf dieser Seite: studiumundbehinderung.kit.edu

Für weitere Infos, was ein Nachteilsausgleich ist, wer Anspruch auf einen hat und welche Möglichkeiten du hast, empfehle ich dir folgende zwei Links:

Mein persönlicher Tipp

Ich selbst habe die Erfahrung gemacht, lieber am Anfang mehr Nachteilsausgleich bei den Klausuren zu nehmen als zu wenig. Ich habe mit 50 % angefangen, aber bei den Fächern Mathe und Physik, wenn du LaTeX schreibst und viel mit Formeln arbeiten musst, kann es sehr knapp werden. Zumal die Klausuren an der Uni häufig so ausgelegt sind, dass Sehende es kaum in der Zeit schaffen. Das Problem: Merkst du, dass es zu wenig Zeit war und du fällst durch, dann hast du schon einen Versuch vergeben. Machst du dann für die zweite Klausur einen größeren Nachteilsausgleich, aber hast Pech bei der Klausur, bist du ein zweites Mal durchgefallen und kommst in die mündliche Nachprüfung. Schaffst du die nicht, ist das Studium zu Ende und du kannst das Fach in Deutschland nicht nochmal studieren. Was ich sagen möchte: Fange lieber mit mehr Nachteilsausgleich an und reduziere ihn ggf., denn sonst kannst du schnell in Schwierigkeiten kommen.

Die Zentrale Studienberatung

Die Zentrale Studienberatung (ZSB) kann dir ebenfalls dabei helfen, mit dir gemeinsam zu überlegen, wie das Studium aussehen kann, welche Nachteilsausgleiche du vielleicht in Anspruch nehmen kannst und wie du dein Studium planen kannst. Mehr Infos und Kontaktangaben findest du hier

Mein persönlicher Tipp

Nimm dieses Angebot auf jeden Fall in Anspruch, denn die werden dich darüber aufklären, welche Ansprüche du im Studium hast. Du musst diese nicht in Anspruch nehmen, aber es nimmt dir Druck weg, wenn du weißt, dass es sie gibt und im Zweifel darauf zugreifen kannst. Das ist unheimlich wichtig.

Das heißt aber nicht, dass du die nutzen sollst, nur weil es die gibt. Für mich z. B. war es so, dass eine Verlängerung der Studienzeit blöd gewesen wäre, denn dann wären meine Freunde im Studium davongezogen und ich hätte mir ständig neue Lerngruppen suchen müssen. Das ist im Physikstudium nicht immer so einfach, da es schon viele feste Lerngruppen gibt. Deshalb habe ich versucht, das Tempo der anderen mitzuhalten.

Das war meine persönliche Erfahrung und Entscheidung, heißt aber natürlich nicht, dass es die richtige ist. Ich möchte dir nur mitgeben, immer dir zu überlegen, welche Vorteile es dir bringt und welche Nachteile damit einhergehen, und dann abzuwägen, was das Richtige für dich ist.

 

Erfahrungsberichte von Studierenden mit Sehbeeinträchtigung

Pascal (Physikstudium, blind)

Ich habe in Karlsruhe den Physik-Master gemacht und über meine Bachelorzeit einen Text für die Blista, die Blindenschule in Marburg, geschrieben. Dieser ist unter der Rubrik Zeitenwende als Artikel erschienen. Dort findest du noch viele weitere Erfahrungsberichte anderer Studierenden mit einer Sehbeeinträchtigung.

Falls du dich fragst, wie ein Physikstudium möglich ist, findest du hier meinen Text.

Da ich jetzt auch mit dem Physik-Master durch bin, kann ich rückblickend auf jeden Fall sagen, dass es möglich ist, als blinder Mensch Physik zu studieren, aber es ist wirklich kein einfacher Weg. Doch die Bedingungen haben sich deutlich verbessert. Zum einen wurden für mich viele Bücher, Skripte und Übungsblätter in LaTeX übertragen, auf die du zurückgreifen kannst. Des Weiteren geht die Forschung an taktilen Flächenbraillezeilen schnell voran und am access@KIT gibt es mehrere, die du nutzen kannst, und es wird auch dort an einer eigenen Software gearbeitet. Und was es auf jeden Fall zugänglicher macht, ist die KI-Technologie. Sie wird dir bei Bildbeschreibungen helfen, beim Aufbereiten von Formeln in barrierefreie Formeln und beim Lernen. Was wirklich noch blöd ist, sind die vier Praktika, die nicht barrierefrei sind. Da musst du entweder mit einem Freund zusammen das machen, so wie ich das gemacht habe, oder einen anderen Weg finden.

Im Master kannst du dich auf verschiedene Themen spezialisieren. Ich habe selbst meine Bachelorarbeit und Masterarbeit in der experimentellen Teilchenphysik geschrieben. Hier wirst du auf jeden Fall viel programmieren, aber sowohl die Abschlussarbeiten als auch die Vorlesungen waren gut als blinder Mensch zu machen. Astrophysik sollte auch gut gehen, falls du dich dafür interessierst. Andere Themen sind bestimmt auch möglich, aber zu denen kann ich weniger sagen. Hast du einen Sehrest, so ist natürlich noch mehr möglich, gerade auch Laborarbeiten etc.

 

Abschließende Worte

Hey,

ich hoffe, ich konnte dir hier übersichtlich alle Infos geben, die du brauchst, um einen entspannten Start ins Studium zu haben. Klar, das Studium wird nicht immer einfach sein, und eine neue Stadt kennenzulernen braucht ebenfalls seine Zeit – aber ich finde, der Aufwand lohnt sich. Rückblickend denke ich, dass ich eine schöne Zeit im Studium hatte.

Somit bleibt mir nur noch zu sagen: Augen auf bei der Studienwahl und alles Gute.